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Beratung - Rücken

Bechterew Erkrankung

Die Bechterew Erkrankung, auch Spondylitis ankylosans genannt, ist eine entzündliche Erkrankung der Wirbelgelenke und der Gelenke zwischen Kreuzbein und Darmbeinschaufel (Iliosakralgelenke).
Die Erkrankung gehört zur Gruppe des rheumatischen Formenkreises. Was diese Entzündungen jedoch grundsätzlich auslöst, ist ungeklärt.


Wer bekommt eine Bechterew Erkrankung?

Die Bechterew Erkrankung gehört zu den Autoimmun-Erkrankungen. Dabei wendet sich das Abwehrsystem gegen körpereigene Zellen. Diese fehlgeleitete Abwehr des Körpers im Fall der Bechterew Erkrankung ist in den letzten Jahren genauer erforscht worden. Dabei wurde festgestellt, dass über 90 Prozent der Erkrankten ein bestimmtes Erbmerkmal ("HLA-B27") auf der Zelloberfläche tragen.


Wie verläuft die Bechterew Erkrankung?

Bei den Patienten kommt es zu einer chronischen Entzündung der Wirbel- und Iliosakralgelenke. Die Entzündungen verlaufen dabei schubweise und führen zu schmerzhaftem Umbau und Funktionseinbußen der Gelenke.
Endzustand der Erkrankung ist die knöcherne Versteifung der betroffenen Gelenke. Im Bereich der Wirbelsäule bilden sich Knochenspangen zwischen zwei benachbarten Wirbelkörpern. Bei maximaler Ausprägung ist die gesamte Wirbelsäule knöchern verwachsen. Man spricht aufgrund der Ähnlichkeit des Röntgenbefundes mit einem Bambusstab von einer Bambuswirbelsäule.
Im Rahmen der Versteifung entwickelt sich auch ein zunehmender Rundrücken (Kyphose), der auch die Halswirbelsäule betrifft. Im Extremfall sind die Patienten nicht mehr in der Lage, geradeaus zu schauen, da ihr Gesicht aufgrund der Kyphose nach unten fixiert ist.


Welche Symptome sind typisch?

Zu Beginn äußert sich die Erkrankung mit Schmerzen, die vor allem morgens zu einem Gefühl der Steifigkeit führen und sich auf den unteren Bereich der Wirbelsäule konzentrieren. Bei fast der Hälfte der Patienten kommt es ein- oder mehrmalig zu einer Augenbeteiligung, meist in Form einer Regenbogenhautentzündung (Iritis).
Auch andere als die genannten Gelenke können verändert sein und Probleme bereiten. Meist sind Schädigungen vor allem der unteren Gliedmaße jedoch Folge der durch die Kyphose veränderten Belastung.
Ein gehäuftes Auftreten einer entzündlichen Darmerkrankung (vor allem Colitis ulcerosa) wird bei Bechterew-Patienten beobachtet. Diese äußert sich zunächst durch chronische, teils blutige Durchfälle.


Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Die Krankheit ist unheilbar, jedoch kann der Verlauf der Erkrankung durch krankengymnastische, medikamentöse und chirurgische Verfahren sehr günstig beeinflusst werden.
Im Vordergrund steht eine krankengymnastische Bewegungstherapie, die darauf abzielt, die Beweglichkeit der Wirbelsäule zu erhalten. Die Übungen werden dabei zunächst unter Anleitung, später selbständig durchgeführt. Unterstützend sollten die Patienten sich sportlich betätigen, wobei Schwimmen am günstigsten, Kontaktsportarten eher problematisch sind, da Bechterew-Erkrankte schlechter Stößen ausweichen können und die Wirbelsäule aufgrund der Versteifung verletzungsanfälliger ist.
Eine medikamentöse Therapie besteht vor allem aus entzündungshemmenden Schmerzmitteln wie Diclofenac oder Ibuprofen sowie kortisonhaltigen Präparaten. Seit Mitte 2003 sind auch Antikörper gegen den Entzündungsstoff "TNF alpha" für die Bechterew-Therapie zugelassen. Sie können bei schweren Verlaufsformen, wenn andere Therapien nicht zu einem befriedigenden Erfolg geführt haben, eine vielversprechende neue Behandlungsoption darstellen.

Viele Patienten profitieren vor allem nachts von Wärmeanwendungen (Wärmflasche, Heizdecke), aber auch Kälte wird vor allem im akuten Entzündungsschub therapeutisch genutzt. Bei einigen Patienten kann auch die Anwendung von natürlichen radioaktiven Quellen (z.B. Radon), wie sie in einigen Kurorten vorhanden sind, zu einer deutlichen Verbesserung der Beschwerden beitragen.
Operative Eingriffe sind bei guter konservativer Therapie heute selten notwendig.

Was sollten betroffene Patienten beachten?

Die Patienten sind zumindest teilweise "ihres eigenen Glückes Schmied". Eine gewissenhafte krankengymnastische Therapie und regelmäßige sportliche Betätigung sind die wichtigsten Säulen, um den Krankheitsverlauf zu mildern. Entzündungshemmende Medikamente sollten, um Nebenwirkungen gering zu halten, gerade in dem Maße genommen werden, dass der Schlaf ungestört möglich bleibt und das alltägliche Leben durch die Erkrankung nicht beeinträchtigt wird. Grundsätzlich gilt, dass die Patienten bei Arztbesuchen ihre Bechterew Erkrankung immer nennen sollten, da einige Erkrankungen mit der Grundkrankheit in Verbindung stehen können.
Im beruflichen Leben sollte der Arbeitsplatz bestmöglich auf die Bedürfnisse der Patienten angepasst werden. nach oben